Was bedeutet Cicchetti-Kultur für dich?
Cicchetti-Kultur ist für mich kein Trend, sondern ein Lebensgefühl. Es ist das Stehen an der Bar, das Teilen kleiner Happen, das Glas Wein in der Hand und das Gespräch, das wichtiger ist als die Uhrzeit.
Cicchetti bedeuten:
Vielfalt statt Monotonie, Leichtigkeit statt Schwere, Begegnung statt Distanz.
Man probiert, tauscht, lacht – und bleibt oft länger als geplant.
Es ist diese unkomplizierte Eleganz, die ich liebe: hohe Qualität, aber ohne steife Förmlichkeit. Ein bisschen Venedig, ein bisschen Markttreiben – und ganz viel Herz.
Worin unterscheidet sich das Angebot bewusst von der Cantinetta?
Die Cantinetta ist das gesetzte Abendessen.
Die Cicchetti-Bar ist der lebendige Auftakt.
Hier geht es nicht um mehrere Gänge und weiße Tischdecken, sondern um Dynamik, Spontaneität und den Mut zur kleinen Portion. Statt eines Hauptgerichts gibt es zehn Möglichkeiten.
Statt eines festen Sitzplatzes vielleicht das Stehen an der Bar.
Es ist bewusster Kontrast – nicht Konkurrenz.
Die Cantinetta erzählt eine Geschichte in Kapiteln.
Die Cicchetti-Bar erzählt viele kleine Anekdoten auf einmal.
Welche Rolle spielt deine Handschrift?
Eine durchaus persönliche – wenn auch nicht immer lesbare.
Meine Handschrift bringt vermutlich sehr viel von meinem Charakter zum Ausdruck: lebendig, temperamentvoll, vielleicht ein wenig eigenwillig. Sie ist da, sie hat Ausdruck – aber sie fordert Aufmerksamkeit. Und nicht jeder nimmt sich diese Zeit.
Manche sagen sogar, sie sei schwer zu entziffern. Vielleicht stimmt das. Vielleicht ist sie zu schnell gedacht, zu schnell geschrieben – so wie Ideen manchmal schneller sind als der Stift. Deshalb kommuniziere ich lieber über das, was klar, direkt und verbindend ist: das gesprochene Wort.
Sprache schafft Nähe.
Sprache lässt Zwischentöne zu.
Sprache ist lesbar – für alle.
Und vielleicht ist genau das meine wahre Handschrift: nicht das Geschriebene, sondern das Gesagte.
